Die Hölle, das sind die anderen

Die Hölle, das sind die anderen

Der Literatur- und Theaterkurs von Edith Perekrestenko hat Sartres „Geschlossene Gesellschaft“ mutig neu erfunden: Die Vorlage wurde rasant umgeschrieben, das Neß-Café zur Hölle ohne Fenster und Spiegel. Im Zentrum der Journalist Garcin, die Angestellte Inès und die mondäne Estelle. Keine Foltermaschinen, nur permanente Nähe – und die gnadenlosen Blicke der anderen. Die Inszenierung verteilt die Akzente fair: Garcin ringt mit der eigenen Feigheit, Estelle mit der Sucht nach Bestätigung, Inès fungiert als kompromisslose Feministin, die Männlichkeitsmythen und Schönheitsnormen seziert. In schnellen, aktionsreichen Szenen fallen die Masken; die berühmte Tür öffnet sich kurz, doch niemand geht. Die Hölle bleibt die wechselseitige Abhängigkeit – und die Selbsterkenntnis. „Die Hölle, das sind die anderen“ hallt nach, ohne belehrend zu werden. Moritz Binger, Teresa Rampas, Pia Stiefenhofer, Magdalena Renn und Kamilla Vlakhnova überzeugten als präzises Ensemble mit Tempo, Timing und Körperlichkeit. Schade, dass es keine Wiederaufnahme gibt – nach zwei Aufführungen war Schluss.

Fotos: Sue